Henry Nitzsche zum EU-Vertrag

Von Totila Veckenstedt • 2. Mai 2008 • Kategorie: Gastbeitrag

Henry Nitzsche

[Nachfolgende Rede zur Abstimmung zum sogenannten EU-Vertrag hielt der fraktionslose Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche am 24. April 2008 im Bundestag. Mit freundlicher Genehmigung durch Henry Nitzsche wollen wie sie an dieser Stelle gerne weiterverbreiten.]

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!

Weil wir in Deutschland unserem eigenen Volk nicht mehr trauen, sitzen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages heute hier, um über seine Zukunft zu entscheiden. Es ist aber nicht nur so, dass wir unserem Volk nicht mehr zutrauen, selbst über seine Zukunft zu entscheiden, wir halten es anscheinend auch für dämlich und vergesslich. Das scheint mittlerweile Konsens in Europa zu sein. Da das Volk in Frankreich und in den Niederlanden die geplante EU-Verfassung abgelehnt hat, fragt man es im zweiten Durchgang einfach nicht mehr und winkt das Kind unter einem anderen Namen durch: Reformvertrag.

So eine Verhöhnung des Volkswillens brauchen wir uns zum Glück nicht vorwerfen zu lassen. Bei uns in Deutschland werden die Bürger prinzipiell nicht gefragt, schon gar nicht in Europaangelegenheiten - siehe Einführung des Euros oder Erweiterung des Schengen-Raums im vergangenen Dezember. Für beide Entscheidungen hätte es im Volk nie eine Mehrheit gegeben, und das wissen Sie alle.
Dieser Vertrag von Lissabon, der in beschönigender Weise Reformvertrag genannt wird, unterscheidet sich im Wesentlichen nicht vom gescheiterten Verfassungsvertrag, von jenem Vertrag, der dank des aufrechten Politikers Peter Gauweiler und seines Anwalts Professor Schachtschneider (Zurufe von der SPD: Oh!) auch von Deutschland nicht ratifiziert wurde. Das Bundesverfassungsgericht untersagte es dem Bundespräsidenten nicht ohne Grund, diesen Vertrag zu unterschreiben. Daher wird nun peinlichst genau das Wort Verfassung gemieden.

Mit diesem Reformvertrag wird eine verbindliche Verfassung für über 500 Millionen Menschen geschaffen. Allerdings ist das eine Verfassung, die nicht demokratisch legitimiert ist, die von einem europäischen Volk ausgeht, das es gar nicht gibt, und deren Inhalte zutiefst demokratiefeindlich sind. Der Europäische Rat wird durch das vereinfachte Änderungsverfahren ermächtigt - ermächtigt! -, fast das gesamte bestehende Unionsrecht zu ändern. Davon betroffen sind Wirtschafts-, Währungs-, Sozial-, Landwirtschafts-, Umwelt-, Arbeits-, Steuer-, Justiz-, Verkehrs- und Kulturpolitik. Eine Zustimmung des Europäischen Parlaments ist nicht mehr notwendig.

Wo bleibt die Mitsprache der nationalen Parlamente? Wo bleibt die Volkssouveränität? Ein angehängtes Protokoll gibt es bloß über die Anwendung der Grundsätze der Subsidiarität und der Verhältnismäßigkeit. Danach können der Bundestag usw. die Flut von Entwürfen von Europavorschriften dahin gehend prüfen, ob diese Grundsätze verletzt wurden. Wenn ja, können sie innerhalb von acht Wochen, aber nicht später, eine Stellungnahme abgeben. Dass in dieser Zeit auch die Landtage die Vorlagen geprüft haben und der Bundesrat darüber beschlossen hat, ist wohl eher illusorisch.

Wo wir das Europäische Parlament ansprechen: Deutschland hat derzeit ein Sitzkontingent von 99. Das wird reduziert auf 96. Angesichts der Tatsache, dass Deutschland 20 Prozent der Bevölkerung Europas stellt, stünden Deutschland mindestens 150 Abgeordnete zu. Dieses Parlament wird aber nicht durch das Prinzip gewählt, das Bismarck 1871 in Deutschland eingeführt hat: das gleiche Wahlrecht.

Künftig wird die für Deutschland entscheidende Politik von 27 Staats- und Regierungschefs bestimmt, von denen mindestens 26 nicht deutsch sind. Wie sich das mit dem Leitsatz aus Art. 20 Abs. 2 des Grundgesetzes – „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ - verträgt, ist mir schleierhaft.

Was wird noch verschwiegen? Zum Beispiel, dass der Reformvertrag ermöglicht, europäische Steuern zu schaffen. Wenn ein Staat die Möglichkeit hat, Steuern zu erheben, dann tut er dies auch. Das Milliardengrab EU und die finanzielle Belastung für uns Deutsche werden damit eine noch gewaltigere Dimension annehmen. Das wird ein neues Versailles für Deutschland. (Widerspruch bei der SPD)
Genau diese Tatsache verschweigen Sie dem deutschen Volk. Durch diesen EU-Reformvertrag legitimieren Sie Brüssel, allmächtig und ungehindert über deutsche Interessen zu entscheiden. Dieser Vertrag ist ein neuerliches Ermächtigungsgesetz.
(Widerspruch bei der SPD und beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Gerade wir in Deutschland sollten hier ganz vorsichtig sein. (Klaus Uwe Benneter (SPD): Raus hier! - Mechthild Rawert (SPD): Das ist unverschämt!)
Ich würde Ihnen empfehlen, einmal durch das Portal dieses Gebäudes zu gehen. Dort steht in Stein gemeißelt „DEM DEUTSCHEN VOLKE“. Hören Sie auf diese Inschrift!
(Zuruf von der SPD: Unerträglich! - Abg. Dr. Barbara Hendricks (SPD) meldet sich zu einer Zwischenfrage)

Entscheiden Sie sich für Deutschland! Sichern wir die Zukunft und die Souveränität Deutschlands! Nicht weniger erwarten die Bürger heute von uns.

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: Herr Kollege, die Kollegin Hendricks würde gerne eine Zwischenfrage stellen.

Henry Nitzsche (fraktionslos): Deutsche, Christen und Demokraten können diesem Vertrag nicht zustimmen.

(Dr. Carl-Christian Dressel (SPD): Gerade Sie müssen von Christen sprechen!
Dass ich nicht lache! - Michael Roth (Heringen) (SPD): Ach du Gütiger! Was sind denn deutsche Christen?)

9 kommentare zu »

  1. Guten Abend!

    An den Zwischenrufen der etablierten Parteien angehörigen Politikern, merkt man doch recht deutlich, was diese von ihrem eigenen Volk halten. Dieses ätzende auf dumm stellen und verächtlich machen (”was sind denn deutsche Christen?” ) wäre sicherlich für die meisten Deutschen unerträglich, wenn sie denn durch den Schleier (Burka wäre mitlerweile wohl treffender) der gleichgeschalteten Medien überhaupt etwas davon mitbekommen würden.
    Doch durch Brot und Spiele ruhiggestellt, durch eine grenzdebile, manipulative Medienmafia auf eine politisch korrekte Linie getrimmt….
    So wird die schwelende Glut des zum Umschwung führenden Zornes immer wieder gelöscht.
    Was bleibt?
    Die Inhalte der nationalen Medien-Alternative weitergeben wo es nur möglich ist.
    Ob dies nun durch weitergabe von Weltnetzadressen oder z.B. durch verteilen der Unabhängigen Nachrichten geschieht; ist völlig belanglos.
    Es gilt den Menschen die Informationen zugänglich zu machen, die aufschreien lassen!
    Denn nur wer den Betrug überhaupt wahrzunehmen in der Lage ist, wer weiss, von wem er betrogen wird;
    der wird bereit sein für seine Ideale zu kämpfen.
    Wer hat in Deutschland denn noch Ideale?

  2. Danke dem ehrenwerten Herrn Nitzsche zu seiner ehrlichen Rede.
    Es gibt nicht allzu viele Deutsche, die den Begriff der freien Rede noch kennen. bezw. den aufrechten Gang ohne das Buesserhemdchen zu tragen und auf den Knien nach Canossa zu rutschen.

  3. Vielen Dank, Herr Nitzsche, für die diese mutige Rede. Leider gibt es viel zu wenige von Ihrem Schlag.
    Ich hoffe und bete für sie, dass sie nicht auch eines Tages, wie es ja in Terror-Regimen die Regel ist, irgend wie
    “Entsorgt” werden.
    Aber Gott sei Dank hat die Geschichte immer wieder bewiesen, dass eine Lüge nie für immer Bestand hat.
    In diesem Sinne: Weiter so für ein hoffentlich bald wieder freies Deutschland.

  4. Vermutlich wird von den BRD-Systemgünstlingen alles unternommen werden um ihn Mundtot zu machen.
    Ich bin sehr gespannt, ob es sich bei der Rede von Herrn Nitzschke um eine Eintagsfliege handelt und er dem starken Gegenwind Stand hält. Ich wünsche ihm die notwendige Kraft dazu.

    Obwohl ich diverse Engagements von Herrn Nitzsche nicht unbedingt für löblich erachte, z.B. die aktive Unterstützung für ein jüdisches Zentrum in seinem Wahlkreis oder den 08.Mai 1945 als Tag der Befreiung zu bezeichnen (Quelle: Seine Heimatseiten), so sind wir ihm dennoch Dank für seine Rede und dem damit gezeigten Mut schuldig.

    Allein diese Tatsache, daß ein deutscher Politiker Mut braucht um deutsche Interessen in einem angeblich noch deutschen Parlament, öffentlich zu vertreten, sagt alles über den Zustand dieser BRD aus.

    Einfach beschämend!

    Herzliche Grüße
    U-179

  5. Ich finde, dass es sehr mutig und anständig von Herrrn Nitzsche war, in der Höhle der Schwätzer und angeblichen “Volksvertreter” die Wahrheit zu sagen. Ich bin per Zufall bei Youtube auf seine Rede gekommen und war auf Anhieb angetan. Schade das sich so wenige der “Anderen” mit ihrem Volk und Land verbunden fühlen wie er, die es anscheinend am liebsten heute statt morgen durch Aufweichung von innen und die Abgabe nationaler Kompetenzen nach außen vernichten wollen.

    Gruß Dietmar

  6. Salve!
    Mehr solcher Mutigen brauchen wir! Ich sehe und spüre immer mehr wie das Volk verdummt und verblödet. Die Dekadenz ist unerträglich. Und sagt man irgendwie die Wahrheit, wird man sofort nieder gemacht, verspottet oder als einer bezeichnet der etwas “vom Untergang aller” schwafelt.
    Brot und Spiele - Hauptsache Wampe satt. Ar*** im Warmen, und natürlich SPASS! FUN haben! Fun-Fun-Fun!
    Und so werden wir zu einer Kritik losen Konsum- und Vergnügungsgesellschaft die sich alles in den Mund stopft ohne sich zu fragen, was denn überhaupt drin ist!

    Den meisten Leute ist alles egal. Und irgendwie geht es ihnen noch viel zu gut. Duckmäuser, die zu allem JA und AMEN sagen.

    Kann man dagegen überhaupt noch was tun?

  7. Ein berühmter Politiker soll einmal gesagt haben:
    “Demokratie ist organisierter Betrug” wenn ich mir anschaue was täglich passiert, wie wir von den Politikern belogen und betrogen werden, muß ich tagtäglich erleben daß dieser Ausspruch stimmt!

    Mit freundlichem Gruß, Josef Koch

  8. http://www.youtube.com/watch?v=cXEUVflED4Y

    Hier kann man sich das ganze auch in Videoformat anschauen

  9. Wenn es nicht so traurig wäre, dann müsste man laut lachen ….

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